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Geschichte

Die Geschichte des Bialowieza Waldes

Die Entwicklung der Vegetation

Das ausgestorbene Wollnashorn
Das ausgestorbene Wollnashorn
wikimedia commons
Es war die Zeit der Wollnashörner und Mammuts, am Ende des Pleistozäns, als das Gebiet des heutigen Nationalparks Bialowieza einer arktischen Steppe gleichkam. Die klimatischen Bedingungen der Weichseleiszeit, die vor 70.000 Jahren begann, ließen nur spärlichste Vegetation zu: baumlos und ein mit Flechten, Moosen und Pilzen übersäter und durchsetzter Dauerfrostboden.
Mit dem Ende der Eiszeit und dem Zurückweichen des Eises vor 10.000 Jahren verschwanden auch die großen Pflanzen- und Fleischfresser. Bald trafen die ersten Überlebenskünstler der Pflanzenwelt ein. Kiefer und Birkengewächse, die wegen ihrer Kälteunempfindlichkeit und Symbiosen mit Pilzgeflechten auf den anfangs kargen Böden siedeln konnten. Im Laufe der folgenden 5 Jahrtausende kamen Pflanzen wie Ulmen, Eichen, Eschen, Hainbuchen und Linden hinzu. Diese Pflanzen sind bis heute noch charakteristisch für den Bialowieza Urwald und prägen dessen Erscheinungsbild.

Menschliche Spuren im Urwald

Grabhügel im Nationalpark Funde von einfachen Stein- und Flintwerkzeugen belegen die Existenz von Menschen vor 4500 Jahren im Gebiet des Nationalparks Bialowieza. Erste archäologische Funde von Bronze und Glasstücken aus dem 3./4.Jh. zeugen von den zahlreicher werdenden Siedlungen, die bereits stärker in den Wald eingriffen. Anhand der Grabbeigaben ließ sich zeigen, dass der Bialowieza Wald schon damals Grenzzone ost- und westeuropäischer Völker war. Einige Grabhügel lassen sich im Urwald wieder finden, vor allem an kleinen Flüssen zeugen sie von der Existenz vereinzelter alter Siedlungen.
Östlich des Bialowieza Gebietes wanderten zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert die Dregowitschen in das Gebiet des heutigen Weißrusslands ein. Dieses Volk lebte von Ackerbau und Viehzucht und maß der wirtschaftlichen Nutzung der Wälder eine große Bedeutung bei. So bezeugen Funde aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, dass es zwischen ihnen und den Teilfürstentümern des Fürstentums Masowien in Polen zu kriegerischen Auseinandersetzungen kam, in dessen Folge die Bevölkerung vom Gebiet des heutigen Bialowieza Urwaldes verschwand.

Die Anfänge des Schutzes

Morgentliche Sonnenstrahlen durchfluten den Wald Im 15. Jahrhundert wurde das Gebiet des Bialowieza Urwaldes unter dem König Wladislaus Jagiełło zum königlichen, geschützten Eigentum. Um eine Versorgung des Hofes mit den Gütern und Tieren des Waldes sicherzustellen, war es allen anderen verwehrt, diese zu nutzen. Des Weiteren war eine Kolonisierung oder eine Rodung des Waldes zur landwirtschaftlichen Nutzung verboten. In einem Dekret von Sigismund dem Älteren, welches auf das Jahr 1538 zurückgeht, wurde genau dieses alleinige Jagdrecht gesetzlich eingeführt. Rund einhundert Jahre später erließ Wladislaus IV Waza den Bauern die Steuern und nahm sie von dem Verbot der Nutzung des Waldes aus. Im Gegenzug waren diese verpflichtet, sich für den Erhalt des Waldes als königliches Gut einzusetzen.

Der Wald unter russischer Herrschaft

Bialowieza um 1820
Bialowieza um 1820
wikimedia commons
Nach der dritten polnischen Teilung wurde unter dem Zar Pawel der Sonderstatus des Bialowieza Waldes aufgehoben. Den in den Wald eindringenden Jägern fielen zahlreiche Tiere zum Opfer, so wurden innerhalb von 15 Jahren von den ursprünglich mehr als 500 Wisenten, über 300 getötet. Eine erneute Erklärung zum Schutzgebiet durch Zar Alexander I., ließ die Wisentpopulation innerhalb von 30 Jahren auf über 700 Tiere ansteigen. Dieser Schutz bestand jedoch nicht sehr lange. Im Zuge des gescheiterten Novemberaufstands von 1831 gegen die russische Vorherrschaft verloren fast alle Waldarbeiter ihre Anstellung und der Schutz kam für viele Dekaden zum Erliegen.

Ein Foto des Zarenpalastes aus dem Jahr 1939Zwar wurde 30 Jahre später der Schutz der Wisente neu initiiert, jedoch ging dieser mit dem massenhaften Abschuss von Raubtieren wie Bären, Wölfe und Luchsen einher. 1888 wurde das Gebiet des Bialowieza Waldes in das Eigentum des Zaren eingegliedert und galt somit als privates Jagdrevier. In Folge dessen, wurde gegen Ende des Jahrhunderts der Zarenpalast auf dem Platz des heutigen Museums im Palastpark errichtet.


Kommerzielle Ausbeutung

Während der deutschen Besatzung, zur Zeit des 1. Weltkrieges wurden über 200 km Schienennetze verlegt und drei Sägewerke errichtet, um rund 5 Millionen Kubikmeter Holz aus Wäldern zu verarbeiten. In dieser für den Wald gesetzlosen Zeit wurde der Wald mit seiner Flora und Fauna stark in Mitleidenschaft gezogen. Einzig das Gebiet des heutigen Strengen Schutzgebietes war von der Abholzung ausgeschlossen. Ein Jahr nach Ende des Krieges wurde in Bialowieza der letzte noch frei lebende Wisent abgeschossen. 1921 kam es bereits zu einem ersten, anfänglichen Schutzgebiet im Bereich des Bialowieza Waldes. 1932 wurde der größte Teil des Waldes zum Nationalpark erklärt. Mit dem Ende des 2.Weltkrieges wurde der Bialowieza Wald geteilt. Zwei Drittel gehörten zu der Weißrussischen Sowjetrepublik und ein Drittel zur Volksrepublik Polen. Das Strenge Schutzgebiet, welches von der Abholzung nicht betroffen war, verblieb als polnisches Gebiet. 1979 wurde der Bialowieza Wald von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Der Wertschätzung, als zu schützendes, grenzüberschreitendes Biosphärenreservat durch die UNESCO im Jahr 1977 und die Vergrößerung der Biosphärenfläche im Jahre 1992, folgte 2003 der Plan, in den nächsten 8 Jahren den Einschlag von Holz um 40% zu erhöhen und im Rahmen der EU-Erweiterung 2004, der Ausbau der Grenze, die mitten durch den Bialowieza Wald verläuft. Abholzung am Weg Browska Droga: links Strenges Schutzgebiet - rechts normaler Nationalpark