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Strenges Schutzgebiet

Schutzgebiet Orlowka

der Eingang zum Strengen SchutzgebietEigentlich sieht er aus wie viele andere auch, dieser Feldweg, der nach Norden vom Palastpark führt. Und wie alle Wege Bialowiezas, endet auch dieser zwangsläufig im Wald. Nach 800 Metern offenbart sich dem Wanderer sein bedeutendes Ziel, der Eingang zum "letzten echten Urwald Europas", wie er oft bezeichnet wird.
Erst kurz vor dem Ziel hebt sich die Silhouette des hölzernen Eingangstores vom umgebenden Wald ab. "Park Narodowy" - Nationalpark steht dort in hölzernen Lettern geschrieben. Einer von 23 in Polen und nur einer von vielen in ganz Europa. Jeder einzigartig für sich, dies hat das Strenge Schutzgebiet des Nationalparks Bialowieza mit allen gemein. Überall in Europa musste die Natur den Belangen des Menschen mehr oder minder weichen. So wurde aus dem einstigen Waldkontinent Europa Nutzland. Die Idee der Nationalparks, die Naturinseln unserer heutigen Kulturlandschaften, ist noch keine 200 Jahre alt. Das Gebiet des Strengen Schutzgebietes in Bialowieza ist älter, viel älter. Seit bald 800 Jahren entwickelt sich hier die Natur und ganz wichtig, nur wenig durch Menschenhand verändert. kein Baum fällt umsonst... Das bezeugen auch die vielen hunderte Jahre alten Eichen und Linden. Die Geschichte seines Schutzes macht es zu dem, was es heute verkörpert, einen der bedeutendsten Wälder Europas. Eine Oase der Natur, eines der wenigen letzten Rückzugsgebiete. Viel zu klein, um begangene Fehler zu korrigieren und trotzdem wichtiger denn je.

Beim Durchschreiten des Tores, betritt man die Route, die schon viele Touristen gingen. Auf kleinen Wegen wandern Gruppen, von nicht mehr als 20 Personen, mit ihrem Führer durch den Wald, meist durch den untersten Teil des 4.747 ha großen Schutzgebietes. Mehr ist nicht erwünscht und in der Regel auch nicht erlaubt.
Man folgt dem Weg, sieht sich um, sucht nach Unterschieden. Kann man das Besondere dieses Waldes sehen? Auf den ersten Blick fällt auf: der Wald ist grüner. Eine riesige grüne Wand nimmt einem die weite Sicht. Ob in 50 Meter Entfernung eine Gruppe Rehe äst oder gar auf einer Lichtung ein Wisent steht? Man weiß es nicht. Um einen herum ein Meer aus Grün. Der Pfad geht vorbei an einem Rasen aus Bärlauch, man steigt über Wurzeln, weicht liegenden Fichten aus und duckt sich unter den Blättern der Linden. Hier das Geäst wilder Sträucher, dort große Baumleichen unterschiedlicher Verrottungsgrade, scheinbar ohne Ordnung hingestreckt, wahllos durcheinander. Keine Seltenheit: moosbedeckt bis in die Krone

Hier fällt kein Baum umsonst. Jedes tote Stück Holz und jedes verendete Tier wird zu einem Hort neuen Lebens. Als Nahrung verwertet, bleibt keine Biomasse ungenutzt. Ein ständiger Kreislauf und leiser Kampf aus Kommen und Gehen, Fressen und Gefressen werden. Hier darf Natur noch Natur sein, in ihrer ursprünglichsten Form, und dies ist die wichtigste Regel im Schutzgebiet. Jeglicher Eingriff ist verboten. Jeder Ast oder Baum bleibt liegen und jeder aufgehobene Pilz oder gepflückte Beere ist wertvoll für das Gesamtökosystem und darf nicht entwendet werden. Das ist zugleich oberstes Gesetz und Notwendigkeit für die Vielfalt der Natur. Die Bedeutung und das Potential des Totholzes wird einem durch das Strenge Schutzgebiet besonders eindrucksvoll vermittelt. Dieser Wald braucht keine Entnahme liegender Äste oder gar den Ausschnitt von kranken Bäumen. Die Konkurrenz in Form nachwachsender Bäume nutzt jede Gelegenheit, jede Schwachstelle des Anderen, um in die lichtreichen Zonen der Baumkronen emporzusteigen. Auf die Verlierer des Wettstreites warten am Boden bereits Insekten und Pilze. Baumstamm im fortgeschrittenen Verrottungsprozeß Jede noch so mächtige, uralte und stabile Eiche wird durch zersetzende Pilze innerhalb einiger Jahrzehnte dem Waldboden gleich gemacht. So greifen die regulierenden Mechanismen des Waldes ineinander und merzen jede Schwäche aus. Der Wald erscheint als ein sich selbst steuernder Superorganismus. Selbst die im Nationalpark verbreiteten Fallen für Borkenkäfer sind hier im Strengen Schutzgebiet nicht anzutreffen. Die Populationen der Borkenkäfer und deren Feinde, wie beispielsweise die der Buntspechte, pulsieren versetzt im 5-Jahreszyklus und regulieren sich gegenseitig. Mehr noch, die Borkenkäfer sind elementarer Bestandteil der Waldgesundheit. Sie und andere so genannte "Schädlinge" tragen dafür Sorge, dass sich ein kranker, vegetativer Bestand nicht durchsetzen kann. Neben ehemals von Borkenkäfern befallenen, toten Bäumen wachsen in unmittelbarer Nähe unbefallene Bäume gleicher Gattung zu mächtigen Riesen heran. Die Borkenkäfer sind, wie viele andere Arten ebenfalls, seit tausenden Jahren Teil eines komplexen, dynamischen Zusammenspiels, welches für einen echten Urwald kennzeichnend ist.

8500 Tierarten fühlen sich hier zu Hause, darunter so seltene wie Rotdrosseln, Schreiadler und Schneehase. Auch einige wenige Schwarzstorchpaare brüten im Strengen Schutzgebiet. Neun von zehn europäischen Spechtarten sind im Gebiet des Nationalparks Bialowieza anzutreffen, die Ihnen von guten Naturführern auch gezeigt werden können. Des Weiteren bezeugen 5500 Pflanzenarten und rund 3500 Pilzarten den vegetativen Reichtum dieser Region. Ohne Zweifel ist ein Besuch des Strengen Schutzgebietes der Höhepunkt eines Aufenthaltes in Bialowieza und darf auf keiner Reise fehlen.

Einige Touristen, die schon wiederholt im Strengen Schutzgebiet waren, äußern den Wunsch, auch weitere Teile des Strengen Schutzgebietes kennenlernen zu dürfen. Mit der Genehmigung des Direktors, die gewöhnlich problemlos gewährt wird, kann die Wanderung auf eine sechsstündige Tour ausgedehnt werden. Die zu tragenden Kosten für die Führung erhöhen sich dementsprechend. Sicht auf den Sumpfwald Mit der Genehmigung des Direktors können auch noch weiter nördlichere Gebiete betreten werden. Diese Genehmigung setzt aber relevante Motive wie wissenschaftliche Hintergründe voraus und wird nicht ohne weiteres gewährt. Diese Touren erstrecken sich dann auf einen ganzen Tag.