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Wisent

Ein kleiner Steckbrief

Der Wisent, größtes Landsäugetier Europas Der zoologische Name des Wisents lautet Bison bonasus. Mit den größeren und schwereren nordamerikanischen Prärie- und Waldbisons (Bison bison bison und Bison bison athabascae) hat er einen gemeinsamen Vorfahren. Sie gehören alle zur Familie Bovidae und stammen vom asiatischen Bison sivalensis ab. Während die nordamerikanischen Ahnen über die zugefrorene Beringstraße auf den neuen Kontinent wanderten, breiteten sich die Vorfahren der Wisente über Europa aus. Dass der Wisent schon während der letzten Eiszeit zu den für den Menschen bedeutenden Tieren gehörte, zeigt sich in den Höhlenmalereien in Lascaux in Südfrankreich, die auf ein Alter von 9000 bis 15000 Jahren datiert wurden. Dort ist er mit anderen Tieren wie Rindern, Pferden, Steinböcken und Wildkatzen dargestellt.
Ausgewachsene Wisentbullen können eine Schulterhöhe von 188 cm erreichen. Ihr Gewicht liegt zwischen 440 und 920 kg, das der Kühe zwischen 320 und 640 kg. Neugeborene Wisente bringen es immerhin schon auf 16 bis 35 kg.
Sowohl männliche, als auch weibliche Exemplare besitzen ein Paar Hörner.

Die Geschichte einer (Fast)Ausrottung

Wisentfutter während der Winterzeit Überall, wohin der Mensch in seiner Entwicklungsgeschichte vordrang, begann das Sterben der großen Arten. Und beinahe wäre es dem Wisent ähnlich ergangen. Die Ausrottung begann in den Pyrinäen 400 n. Chr., setzte sich fort über Frankreich, Schweden und England um 1000-1100. Bis in das 16. Jahrhundet existieren in Brandenburg noch Wisente, in Sachsen und Ostpreußen sogar bis ins 18. Jahrhundert. Polnische Bestände hielten sich bis in das 20. Jahrhundert. Diese Chronik des Sterbens gipfelte am 19. Februar des Jahres 1919 im Abschuss des letzten frei lebenden Wisents durch einen zuvor entlassenen Forstbeamten. Eine 1500 jährige Ausrottung, quer durch ganz Europa, die in Bialowieza ihr vorläufiges Ende nahm. [5]
Die damalige erschreckende Bilanz: 66 noch existierende Flachlandwisente in Gefangenschaft, verstreut in Europa und ein allerletztes Exemplar eines Bergwisents. Eine Unterart, die erfolgreich ausgerottet wurde.

Der Neuanfang

Winterfutterstelle am Wegesrand Nach Untersuchungen der Herkunft, der Abstammung und der genetischen Fortpflanzungsfähigkeit der Tiere erwies sich, dass nur sechs Wisente für eine Nachzucht geeignet waren. Diese sechs Wisente sind somit die Ahnen fast aller heute lebenden Flachlandwisente. Nachdem 1952 zwei Bullen im Bialowieza Wald erfolgreich ausgewildert wurden und ihnen im Jahr darauf zwei Kühe folgten, wurde 1957 das erste Wisentkalb in Freiheit geboren.
Aus einer Kreuzung des letzten Bergwisents und passenden Flachlandwisenten konnten bisher 1600 Nachkommen einer neuen Art gezüchtet werden, die zu einem großen Teil als eigenständige Herden durch Europas Osten ziehen. Das Zentrum der Wisentzucht bildet die Zuchtstation Bialowiezas, die im Nationalpark gelegen ist. Etwa auf halbem Wege von Hajnowka nach Bialowieza ist der Eingang zur streng gesicherten Zuchtstation. In ihr werden rund 30 Tiere als Reserve gehalten. Schon einmal gab es einen herben Rückschlag in der Wisentzucht, als in den Jahren 1953/54 die Maul- und Klauenseuche wichtige Bestände dahinraffte. Streng gesichert, weil die Population der 3000 heute lebenden Wisente keineswegs auf sicheren Füßen steht. Dass der Neuanfang der Zucht aus so wenigen Individuen keine leichte Aufgabe ist, zeigt sich beispielsweise an einer seit 1980 auftretenden eitrigen Entzündungen des Penis (Balanoposthitis), die zusätzlich die Vermehrung der Wisente beeinträchtigt. Zwischen 5 und 10% der Bullen fallen so jährlich für die Reproduktion aus [6]. Die geringe Varianz des Genpools aller Wisente, macht diese anfälliger für Krankheiten und Parasiten.

Die heutige Verbreitung

Typischer Schlafplatz eines Wisents Heute gibt es rund 3000 lebende Flachlandwisente. Von denen etwa 1000 in Freiheit in Reservaten in Polen, Weißrussland und Litauen leben, 450 alleine davon im Gebiet um Bialowieza. 300 sind in Zuchtstationen beheimatet. Die Wisente auf der polnischen Seite des Bialowieza Waldes stehen unter Schutz. Deren Zahl hat sich bereits so stark erhöht, dass sie mit der Forstwirtschaft zusammen zu einer ernsten Bedrohung des Waldes geworden sind und über deren Abschuss nachgedacht wird, um das Habitat zu erhalten. Etwa 30 bis 40 ausgewählte Tiere werden jährlich von der Bezirksregierung in Bialystok zum Abschuss freigegeben. Auf der größeren, weißrussischen Seite des grenzüberschreitenden Schutzgebietes unterliegen die Wisente der Jagd, obwohl sie dort keine Bedrohung für den Wald darstellen. Leider hindert der Grenzzaun die Tiere daran, von der überfüllten polnischen Seite auf die weißrussische zu wechseln. Dabei würde gerade dies zusammen mit einem grenzüberschreitenden Schutz den Fortbestand der Wisente sichern.

Der Zubron

Ein Exemplar des Zubrons
Ein Exemplar des Zubrons
wikimedia commons
Der Zubron ist eine Kreuzung zwischen Rind und Wisent. Mit dem Zweck der Schaffung eines funktionalisierten Individuums mit noch mehr Fleischmasse als Wisent und Rind, wurde diese Züchtung 1958 in Bialowieza initiiert. In Perspektive einer effizienteren Futterverwertung verbunden mit qualitativ hochwertigem Fleisch wurden in 16 Jahren 71 Tiere domestiziert. Männliche Tiere können ein Gewicht von 1200 kg erreichen, weibliche von 800 kg. Die Ergebnisse der Züchtungen blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück, da sowohl die Fruchtbarkeit, als auch die Wirtschaftlichkeit nicht zufrieden stellten. Der männliche Zubron ist in erster Generation nicht fortpflanzungsfähig. Erst die Kreuzung einer Zubronkuh mit einem Wisent oder einem Rind führt zu reproduktionsfähigen Nachkommen. [1]
Exemplare des Zubron können im Tierpark Bialowiezas besichtigt werden.